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Schönheitsideale, soziale Medien, Cybermobbing: Auswirkungen auf Essstörungen

von Camilla Vaiani

Wieder einmal diskutieren wir über Essstörungen, anlässlich der Settimana Lilla ("Lila Woche"), die dieses Jahr am 9. März beginnt. Im ersten Artikel über Essstörungen haben wir uns auf Essstörungen als psychologische und Verhaltensstörungen, die auf Nahrung verzerrt sind, auf die Folgen für die körperliche und geistige Gesundheit und auf alarmierende Statistiken konzentriert.

Jetzt haben wir jedoch das Blatt gewendet und stehen kurz vor dem zweiten Teil über Essstörungen. Konkret werden wir über die Ursachen, die Essstörungen auslösen, und die Rolle von sozialen Medien, Cybermobbing und Body Shaming sprechen.

TL;DR
Essstörungen werden durch multiple Faktoren – genetische, psychologische, kulturelle und soziale – verursacht, aber soziale Medien und Body Shaming tragen heute maßgeblich zu ihrer Verschlimmerung bei. Mehr Aufklärung, Unterstützung und Inklusivität sind notwendig, um toxische Schönheitsideale zu durchbrechen und ein gesünderes Körperbild zu fördern.


Die Geschichte der Essstörungen

Obwohl Essstörungen ein sehr aktuelles Thema sind, sollte man nicht den Fehler machen zu glauben, dass sie erst in den letzten Jahren aufgetreten sind.

Die ersten Zeugnisse von Menschen, die Symptome im Zusammenhang mit Essstörungen gezeigt hätten, stammen aus der hellenistischen Zeit (323 v. Chr. - 31 v. Chr.), obwohl die reichhaltigste Dokumentation aus dem Mittelalter stammt, als Essensverweigerung und die Verleugnung körperlicher Bedürfnisse als kulturell und spirituell akzeptierte Praktiken galten. Insbesondere sprach man von einer wahren "heiligen Anorexie", und es werden Geschichten von jungen Frauen erzählt, die aufgrund extremer selbstinduzierter Fastenkurse vorzeitig starben. Die ersten Fälle von Anorexia nervosa sollen Ende des 17. Jahrhunderts diagnostiziert worden sein, obwohl der medizinische Begriff erst 1873 vom englischen Arzt William Gull geprägt wurde.

Während Anzeichen von Anorexia nervosa in der gesamten Geschichte gefunden wurden, scheint Bulimia nervosa eine modernere Entwicklung zu haben. Es gibt Berichte über römische Kaiser, die bei Banketten oft übermäßig aßen und sich dann übergaben, aber es fehlte gänzlich der kulturelle Aspekt der "Feier" der Schlankheit, von dem wir im Gegenteil erste Spuren im Jahr 1903 finden, als Pierre Janet (ein Psychiater, von dem Sigmund Freud seine Theorien inspirierte) den Fall von Nadia behandelte, einer jungen Frau, die diätetische Einschränkungen, Angst vor Fett und Episoden von Binge Eating zeigte. Bulimia nervosa wurde jedoch erst 1979 vom britischen Psychiater Gerald Russell als Variante der Anorexie beschrieben (Very Well Mind, 2020).

Andere Essstörungen wurden viel später erkannt: Nur um ein Beispiel zu nennen, man bedenke, dass die Vermeidung/restriktive Nahrungsaufnahme (ARFID) erst 2013 zu den Essstörungen gezählt wurde (Seetharaman et al., 2021).

Was sind die Ursachen für die Entwicklung von Essstörungen?

Zunächst sollten wir festhalten, dass Essstörungen Menschen jeden Geschlechts, jeder ethnischen Zugehörigkeit, jedes Alters und jeder sozioökonomischen Klasse betreffen können. In jedem Fall gibt es verschiedene Risikofaktoren, die die Entwicklung von Essstörungen beeinflussen und bestimmen können (News Medical Life Sciences, 2022):

  • Genetische Faktoren: Personen, deren Verwandte ersten Grades eine Essstörung in der Vorgeschichte haben, entwickeln mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Essstörung als Personen ohne solche Verwandte. Des Weiteren wurden spezifische Gene identifiziert, die Hormone wie Leptin und Ghrelin beeinflussen, die neben der Regulation des Essverhaltens auch Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensweisen im Zusammenhang mit Anorexie und Bulimie bedingen können.

  • Biologische Faktoren: Ein Körpersystem, das als „hypothalamisch-hypophysär-nebennierenrindliches System“ (HPA-Achse) bezeichnet wird, kann eine wichtige Rolle bei Essstörungen spielen. Es setzt Appetit-, Stress- und Stimmungsregulatoren wie Serotonin und Dopamin frei, und man geht davon aus, dass Anomalien dieser chemischen Botenstoffe zur Entwicklung von Essstörungen beitragen. Genauer gesagt wird Serotonin zur Kontrolle von Angst und Appetit benötigt, während Dopamin für belohnungssuchendes Verhalten unerlässlich ist. Ein Ungleichgewicht zwischen Serotonin und Dopamin kann beispielsweise erklären, warum Menschen mit Anorexie kein Vergnügen am Essen und an anderen gewöhnlichen Annehmlichkeiten empfinden.

  • Äußere Einflüsse: Das Verhalten der Eltern kann die Essgewohnheiten ihrer Kinder beeinflussen (z. B. können Mütter, die Diät halten oder übermäßig besorgt um ihr Gewicht sind, ihr Kind dazu verleiten, eine anormale Einstellung zum Essen zu entwickeln, ebenso wie ein Vater oder Bruder, der durch Body Shaming selbst einen Fremden wegen seines Gewichts oder seiner Figur verspottet). Ähnlich können Kommentare von Mitschülern im schulischen Umfeld die Körperwahrnehmung und folglich die Einstellung eines Kindes zum Essen beeinflussen. Ebenso können hohe Erwartungen eines Elternteils oder Lehrers an die schulischen Leistungen eines Kindes den Grundstein für eine Essstörung legen.